Nachdem anfangs alles neu, alles fremd, alles aufregend war, lebe ich nun im afrikanischen Alltag. Ich beginne meinen Tag damit die Kinder aus dem Bett zu reißen, reite sie über afrikanische Offroadstraße zur Schule. Dann suche ich mir Arbeit in der Shamba, pinsel durch die Gegend, lege Fundamente, spiele hier und da Fundi (Handwerker), räume Lager ein, um es später wieder auszuräumen, buddel Löcher in den Boden und erledige Einkäufe. Zur Mittagszeit, wenn die Sonne senkrecht auf den Kopf knallt geht es durch Morogorowelt und ich komme mit Kindern zurück. Am Nachmittag bin ich Mwalimu Paulo (Lehrer) und unterrichte Englisch in Kiswahili und wunder mich, dass es funktioniert. So wie überall nach einiger Zeit, lebe ich in Gewohnheit und mit Ehrfurcht begegne ich ihr. Gewohnheit lässt dich vergessen wo du bist, raubt dir die Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge, lässt dich vergessen zu danken oder man dankt aus Gewohnheit ohne nötigen Ernst. Gewohnheit nimmt dir die Fähigkeit zu schätzen. Vor Gewohnheit bin ich einst geflohen und finde mich wieder in Gewohnheit.
Ich bete für die erste Liebe, die mir die erste Zeit so besonders gemacht hat und mich sprachlos dieser Welt gestellt hat. Ich bete nicht den Sinn zu verlieren, in meinen Taten und das einzig richtige Motiv der LIebe zu gebrauchen. Ich bete für anhaltende Freude, trotz gelegentlicher Mutlosigkeit. Wo ich anfangs der Exot in einer exotischen Welt war, gehöre ich heute einfach dazu und es raubt ein wenig die Motivation, wenn man keine Dankbarkeit verspürt. Heute laufen mir Biana und Ratifa entgegen und übergeben mir einen Brief von Rehema, der mich trotz einfacher Worte fasst zu Tränen gerührt hat. Für jede noch sie kleine Tag spricht sie aufmerksam Dank aus und schätzt, dass ich mich ihrer Welt hingebe und schließt mit den Worten. „I love you so much“. Ich realisiere, dass hier das erste Mal konkret Dank ausgesprochen wurde und schätze es vom tiefstem Herzen. Wo ich vorhin noch an dem Sinn meiner Taten gezweifelt habe, wächst neue Motivation. Zu Abend habe ich ein halbes Dutzend Briefe zu beantworten und verstehe ich bin geliebt an diesem Ort. Ich merke wie sehr ich sie liebe. Die kleinen unbedeutenden Momente, die keinen interessieren, machen den Alltag so besonders.
Kaka Benni ist zur Zeit mein Mitbewohner und ich habe einen Seelenverwandten in ihm gefunden. Er ist Opfer der Flutkatastrophe in Dar Es Salaam und hat sein ganzes Hab und Gut verloren, samt Kleidung und Möbel. Ein Bett ohne Matratze ist ihm geblieben. Ein paar meiner Kleidungsstücke gehören bereits ihm. Die Gemeinschaft mit ihm tut mir gut und ich lache herzhaft und fühle wachsende Freundschaft, die noch lange hält.
Übermorgen besteige ich den Flieger nach Südafrika für das Zwischenseminar und bin gespannt wie diese Ecke Afrikas auf mich wirkt. In Plettenberg Bay ist die höchste Brücke weltweit, von der ein Bungeesprung möglich ist. Wer weiß, ein Sprung hinaus aus der Gewohnheit?
Mein Typhuswert ich noch nicht gesunken, ich fühle aber keine Symptome. Verharrt bitte im Gebet!
In Liebe
Ein sehr interessanter Einstieg! Ich lese weiter und gleiche dann mit meinen Emotionen ab, die ich dort unten hatte und bis jetzt ziemlich ähnlich waren.
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Leunam
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